Mal sehen

Berlins Schulden – doppelt so hoch wie gedacht

Offiziell hat Berlin rund 61 Milliarden Euro Schulden. Der tatsächliche Wert soll jedoch bei rund 130 Milliarden Euro liegen: Wie der Bund der Steuerzahler ausgerechnet hat, drücken die Hauptstadt bis 2050 Pensionslasten von bis zu 69 Milliarden Euro – und die sind bislang nicht berücksichtigt worden.

 

 

Heribert Prantl hat kurz nach der Lehman Brother-Pleite in einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung unter Rückgriff auf eine Anekdote, auf die er der Zeitschrift Die Gazette gestoßen war, erklärt, was ein Derivat ist und wie die ganze zeitgenössische Woodoo-Ökonomie funktioniert:

Chuck kauft für 100 Dollar einen Esel. Das Tier stirbt vor der Lieferung. Chuck will sein Geld zurück, aber der ehemalige Besitzer hat es angeblich bereits ausgegeben. Nun will Chuck den toten Esel, um ihn zu verlosen. Verlosen? Ich sag den Leuten einfach nicht, sagt Chuck, dass er tot ist. Einen Monat später trifft der Farmer Chuck wieder und erkundigt sich, was aus dem Esel geworden ist. Ich hab’ ihn verlost, 500 Lose zu zwei Dollar verkauft und 998 Dollar Gewinn gemacht. Hat sich keiner beschwert? Nur der Kerl, der den Esel gewonnen hat. Dem habe ich seine zwei Dollar zurückgegeben.“

Prantls Erzählung endet mit der Bemerkung:

„Heute arbeitet Chuck für Goldman-Sachs und das Esel-Modell ist zum Weltfinanzprinzip geworden.“

 

 

Denn in einem Wirtschaftssystem, in welchem fast die gesamte Wirtschaft in privater Hand ist, kann es keine wirkliche Demokratie geben, jedenfalls keine solche, in der wirklich die Bevölkerung die Macht hätte. Es ist doch so: Einerseits sind wir alle von der Wirtschaft abhängig. Andererseits aber haben jene, denen die Konzerne, die Ackerböden, die Immobilien, das Wasser, die Ölquellen und andere Rohstoffe gehören, die alleinige Entscheidungsmacht über die Verteilung ihrer Produkte. Sie zwingen die Mehrheit, für ihre Löhne arbeiten zu gehen. Und für diese Löhne müssen sie dann ihre Waren erwerben. Um uns glauben zu machen, wir könnten mitentscheiden, wird uns das brillante Schauspiel der parlamentarischen Demokratie vorgeführt.
Um es einmal mit einem der reichsten Männer der Welt, Warren Buffet, zu sagen: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“ – Das stimmt absolut, und zwar für jede Phase dieses kapitalistischen Wirtschaftssystems.